Bike Transalp Challenge 1998 Etappe 2

Tageszusammenfassung

Streckenlänge

92,3 Kilometer

Höhenmeter

3078 Höhenmeter

Siegerzeit

4h 29min 48sec

Unsere Zeit

7h 14min 33sec = Siegerzeit + 61%

Tagesplatzierung

67

Gesamtrang

64 = 5 Plätze verbessert

 

Bei der Vorbereitung des Transalp-Challenge haben wir überlegt, ob wir es wohl jeden Tag pünktlich zum Start um 8.00 Uhr schaffen. Heute hatten wir dabei keine Probleme. Nachdem der Wecker kurz nach 6.00 Uhr läutete ging alles ganz schnell, Tasche packen, Frühstück, Bike-Check, Tasche zum Transportfahrzeug bringen und um 7.30 standen wir an der Startlinie. Immerhin waren wir jetzt im vorderen Drittel des Starterfeldes und mußten uns zu Beginn der Etappe nicht erst nach vorne kämpfen. Unsere Verfassung war ganz gut, von der ersten Etappe spürten war nichts mehr zu spüren.

Der erste Kilometer war noch eben, ab da zog jedoch der Weg ohne jede Erholungsmöglichkeit nach oben auf das 2295m hohe Geiseljoch. Die Auffahrt zum Paß war zwar sehr hart, aber traumhaft schön. Wir hatten wieder ein recht gutes Tempo vorgelegt und nach 2 Stunden und 20 Minuten standen wir am Gipfel. Wieder mußten wir uns zugestehen, daß das Tempo zu schnell war, wir fühlten uns aber bei noch ganz O.K.

Nach dem Geiseljoch kam ein Super Downhill nach Vorderlanersbach. Zuerst ein schmaler Singeltrail, anschließend ein Schotterweg, der sich ins Tal schlängelte.

Unten im Tal angekommen standen wir schon vor dem nächsten Anstieg. Es ging auf einer mäßig ansteigenden Teerstraße in Richtung Schlegeisspeicher. Thomas hatte zu Beginn des Anstieges zu Kämpfen. Die ersten 15 km das Tal hoch fuhr er bei Gegenwind in meinem Windschatten. Er hatte ein kleines Loch und mußte schauen, daß er den Anschluß halten konnte. Hinten im Tal nach der Maut-Station änderte sich das jedoch drastisch. Ich war inzwischen K.O., er hatte sich jedoch ganz gut erholt und fuhr an mir vorbei. Nach der Mautstation verlief die Straße nicht mehr im Tal sondern ging in Kehren den Berg hoch. Es war inzwischen Mittagszeit und die Sonne brannte gnadenlos auf den Teer. Thomas war nun plötzlich wieder fit und fuhr mir davon. Bereits nach den ersten Kehren war er nicht mehr zu sehen. Ich setzte mich neben die Straße und aß einen Powerbar um mich wieder zu erholen. In Riva konnte übrigens fast keiner mehr die Dinger sehen, 8 Tage Powerbars und Xenofit war einfach zu viel.

Die 500 Höhenmeter bis zum Stausee schaffte ich schließlich doch noch irgendwie, zwischendurch mußte ich jedoch ein paarmal schieben. Ich dachte mir, wenn das auf den nächsten Etappen so weiter geht, steht noch einiges bevor bis Riva. Oben am Stausee angekommen Stand Thomas grinsend und fragte mich, wo ich denn so lange bleibe. Fand ich irgendwie überhaupt nicht witzig!

Hinten am Stausee war zum Glück nochmals eine Kontroll / Verpflegungs- station. Danach konnte noch etwa 1km gefahren werden vor der langen Tragepassage aufs Pfitscherjoch. Für die 5 km lange Tragepassage benötigten wir etwa 1Stunde 30 Minuten. Auf dieser Strecke war überhaupt nicht an Fahren zu denken. Das Problem ist nicht das der Weg zu steil ist, sondern der ganze Weg führt über Felsplatten sowie Stufen über die noch nicht mal ein Trail-Profi fahren könnte. Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern, die vor mir plötzlich mit einem Krampf im Oberschenkel ins Gras fielen, erholte ich mich durch die andere Belastung beim Laufen. Um 14.15 Uhr waren wir nach inzwischen 4.45Stunden Fahrzeit + 1.30Stunden Schiebepassage auf dem 2252m hohen Pfitscherjoch.

Oben mußten wir feststellen, daß auf der anderen Seite eine Breite Schotterstraße auf den Paß führt, so daß wir einen schönen Downhill vor uns hatten. Es waren noch knapp 30 Kilometer ins Ziel auf denen noch gut 1300 Höhenmeter vernichtet werden mußten. Also keine allzu schwierige Aufgage mehr. Ich war noch mit dem Anziehen meiner Jacke beschäftigt, als Thomas sagte, daß er schon einmal voraus fährt, da ich sowieso im Downhill immer schneller bin als er. Nicht mehr als 1 Minute später fuhr ich los. Der Downhill erwies sich eher als Autobahn, man mußte sogar auf einigen Passagen treten. Etwa 700 Höhenmeter später in St. Jakob mußte ich feststellen, daß ich Thomas nicht eingeholt hatte. Ist er vielleicht irgendwo abgebogen, bin ich falsch gefahren? Da ich das Roadbook dabei hatte und keine Markierungen mehr zu sehen waren machte ich mir ernsthaft Sorgen. Nach einer kurzen Pause fuhr ich 2km weiter in den nächsten größeren Ort. Dort hielt ich nochmals und fragte verschiedene Teams nach Ihm. Keiner wußte etwas. Also fuhr ich ganz locker die restlichen 15 km das Tal vor und hielt nach Ihm Ausschau. Keine Spur. 50 Meter vor dem Ziel stand er und fragte mich, wo ich denn so lange bliebe, er wartet schon 15 Minuten. Ich war stocksauer. Er sagte nur, daß er mit einer Gruppe gefahren ist, in der er super Windschatten fahren kann. Das verstehe ich nicht unter einem Teamwettbewerb! Trotzdem erreichten wir auf dieser sehr harten Etappe nach 7:14:33 Stunden das Ziel auf Platz 67.

Im Ziel  verbesserte sich meine Laune jedoch schnell, als wir merkten, daß unser Hotel wieder 50 Meter neben der Ziellinie war. Da es erst kurz nach 15.30 war, legten wir uns erst mal eine Stunde ins Bett. Heute hatte mich die harte Etappe ziemlich geschafft. Ich war fix und fertig! Ich nutze noch den kostenlosen Bikeservice, heute war eine Speiche gerissen, welche ersetzt werden mußte und vorne gabs ein neuen Reifen, der alte war schon 1.5 Jahre alt dem Rest der Tour wohl nicht mehr gewachsen. Nach der abendlichen Nudelparty / Siegerehrung fielen wir wieder kurz nach 21.30 ins Bett.

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