Große St. Vigil Runde mit 2745 Höhenmetern und 78 Kilometern

 

20090823

Leider keine Tourenbilder :-(

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23.08.2009

Nachruf:
Du warst mir stets ein treuer Begleiter in guten wie in schlechten Zeiten. Dank dir gibt es hier auf meiner Internetseite hunderte von Bildern von meinen Touren. Und auf dieser Tour hast du wieder grandiose Bilder festgehalten. Aber irgendwo zwischen Rifugio Fordara und St. Vigil bist du von mir gegangen. Unbemerkt aus der Trikottasche geschlüpft, schniiiiiiifffff. Alles Gute du schöne Digitalkamera. Hoffe du bist nicht auf den Betonstücken zur Pedrühütte zerschellt, sondern dich irgendwo weich ins Gras gelegt. Machs gut :-)

Ich saß beim Frühstück und schaute kritisch aus dem Fenster. Nebel mit einer Sichtweite von etwa 50m. Was für ein Tag für ne Tour durch die Dolomiten. Nun gut, ich liess mich nicht beirren, da der Wetterbericht super schönes Wetter vorhergesagt hatte. Also packte ich meine sieben Sachen und fuhr los.

Vom Hotel aus fuhr ich 50 Meter rüber zur Talstation des Sesselliftes. Das waren die letzten flachen Meter für die nächste Zeit. Ab der Talstation ging es nämlich stetig bergan. Obwohl ich die letzten beiden Tage bereits knapp 5000 Höhenmeter gesammelt hatte, fühlte ich mich frisch und kurbelte im Nebel berhoch.

Zuerst geht es über ein schmales Teersträßchen der Skipiste entlang, anschließend biegt man rechts in einen gut zu fahrenden Schotterweg, immer bergauf in Richtung Kreuzjoch. Nachdem ich etwa 500 Höhenmeter absolviert hatte,
wurde ich freudig überrascht. Ich durchstieß die Obergrenze des Nebels! Bei absolut blauem Himmel und traumhafter Sicht fuhr ich nun oberhalb des Nebelmeers. Was für ein phantastischer Ausblick (Das könnten jetzt alle auf den Bildern sehen, wenn ich nicht zum Schluss der Tour die Kammera verloren hätte :-(

Übrigens ist der Anstieg zum Kreuzjoch extrem heftig. Es gibt keine ebenen Zwischenpassagen. Ab St. Vigil fährt man 1050 Höhenmeter nur bergauf.  Und das auf 8 Kilometern. Die durchschnittliche Steigung beträgt knapp 13%! Die letzten Meter zum Joch musste ich schieben. Es ist einfach extrem steil. Laut meinem HAC4 beträgt die Steigung an den steilen Rampen 30%. Bestimmt gibt es Biker die hier hochbeissen. Aber nach 1000 Höhenmetern gehörte ich nicht dazu. Nach 1 Stunde und 38 Minuten war ich oben angekommen.

Oben am Kreuzjoch genoss ich den phantastischen Ausblick. Der Nebel in den Tälern hatte sich gelichtet. In Richtung Toblach war gar kein Nebel mehr zu entdecken, somit bestand keine Gefahr, während der Abfahrt wieder ins Nebelmeer einzutauchen. Ich bin das Kreuzjoch zuletzt im Jahr 2006 gefahren. Ich wählte die gleiche Abfahrt wie damals, links hinunter zur Hochalmhütte. Bis zur Hütte fährt man auf einem Schotterweg mit phantastischen Ausblicken.

Ich habe mir in der Zwischenzeit beschriebene Routen im Internet angeschaut. Es besteht noch die Variante am Kreuzjoch rechts den Höhenweg weiterzufahren um dann weiter über das Lärchental in Richtung Pragser Wildsee zu gelangen. Ich vermute mal, dass auf dieser Variante weniger getragen werden muss. Ich werde das bei meiner nächsten
Tour übers Kreuzjoch mal austesten. Falls jemand da schon mal runtergefahren ist, wär ich über eine Info dankbar.

Wie gesagt, ich fur weiter zur Hochalmhütte. Ab der Hochalmhütte folgt ein schmaler Trail, der über 200-300 Höhenmeter geschoben werden muss. Unten im Talboden angelangt, ist der Weg dann wieder zu 100% fahrbar. Es macht super Spass neben dem Bachbett talabwärts zu brettern.

Ab der Grünwaldalm musste ich dann wieder etwas das Tempo rausnehmen, da zwischen dem Pragser Wildsee und der Grünwaldalm extrem viele Wanderer unterwegs waren. Kein Wunder, es war ja Sonntag und ein richtiges Kaiserwetter. Am See entlang war ein Fahren kaum möglich, da waren einfach zu viele Touris. Erinnerte mich irgendwie an Zuhause an den Titisee. Da ist als genauso viel los.

Nach dem See rollte ich einfach die Strasse runter. Hatte versäumt gleich nach dem See rechts in den Wanderweg einzubiegen. Ab Schmieden ging es weiter in den zweiten großen Anstieg des Tages in Richtung Plätzwiesen. Auf der rechten Talseite, fuhr ich auf einem Wanderweg das Altpragser Tal hoch. Die Steigung war hier noch recht human. Etwa 2 km vor dem großen Wanderparkplatz gelangte ich wieder auf die Strasse zurück und fuhr weiter auf der geteerten Strasse. Die nächsten Kilometer gingen in Kehren bei einer konstanten Steigung von etwa 8% bergauf. Die Höhenmeter waren gut auf dem mittleren Blatt zu bewältigen.

Pünktlich zur Mittagszeit um 13.00 Uhr war ich nach 4 Stunden und 5 Minuten Fahrzeit oben an der Plätzweisenhütte angekommen. Hier oben waren auch viele Ausflügler unterwegs, welche mit dem Bus bis kurz vor die Hütte geshuttelt werden. Ich setzte mich vor die Hütte in die Sonne und verzehrte eine leckere Portion Pasta. Ich war guter Dinge. Die zwei heftigsten Berge des Tages hatte ich hinter mir, ich fühlte mich gut, das Wetter war super klasse und der ganze Nachmittag lag noch vor mir.

Frisch gestärkt radelt ich über den Plätzwiesensattel und heizte die Kehren auf einem breiten Schotterweg hinunter bis Schluderbach. Ich würde gerne mal den Trail von der Plätzwiesenhütte hinunter ins Gemärk nehmen. ...das werde ich wohl das nächste Mal ausprobieren. Würde mich interessieren ob der Weg größtenteils fahrbar ist.

Nach wenigen Minuten war ich unten an der Hauptstraße von Toblach nach Cortina angekommen. Dieser musste ich jetzt bis zur Passhöhe des Passo di Cima Banche folgen. Das ging aber sehr schnell. Ich glaub es waren gerade mal 30 Höhenmeter zu überwinden. Meine Routenbeschreibung sagte mir, dass ich etwa ein Kilometer nach der Passhöhe rechts abbiegen musste. Leider verpasste ich die Einfahrt. Sie war auch deutlich weniger als ein Kilometer von der Passhöhe entfernt. Auf der Rechten Seite ist ein abgesperrtes Gelände, sieht aus wie ein ehemaliges Gefängnis oder so. Direkt vor der Einfahrt auf das Gelände geht der Weg rechts ab. Ich drehte etwa ein Kilometer später um und musste wieder einige Meter zurück bis zur dieser Einfahrt.

Ab hier ging es in den dritten Anstieg des Tages. Die ersten Meter waren etwas zäh. Hatte ja erst kurz vorher gegessen und musste die Pasta wohl erst mal verdauen. Man fährt rechts oberhalb des Tales stetig berghoch. Der Untergrund ist zum Teil sehr grobschottrig und es sind fiese Rampen zu überwinden. Es sind gut 500 Höhenmeter bis zur Forca Lerosa zu bewältigen. Im oberen Bereich schiebte ich dann 1-2 Rampen. Diese waren mir einfach zu heftig.

Oben, kurz vor der Passhöhe fährt man aus dem Wald und befindet sich auf einer super schönen Hochalm.
Man hat hier einen super Ausblick in Richtung Seekofel und in das Gebiet um die Senneshütte. Die Paßhöhe hatte ich um 15:01 erreicht.  Ab der Passhöhe führt ein wohl ganz neu angelegter Forstweg hinunter ins Tal zum Rifugio Stua. Vermutlich war das hier mal ein super schöner Trail. Jetzt fährt man auf einem breiten zum Schluss sehr steilen Forstweg nach unten.

Unten im Tal fühlte ich mich wieder topfit. Es lag nur noch ein Anstieg vor mir. Und dieser hatte nicht mal 300 Höhen- meter. Ich wählte den Weg direkt zum Rifugio Fordara. Den Weg über die Senneshütte kannte ich schon und ich wollte einfach mal was neues ausprobieren. Ab dem Rifugio Stua folgten ich deshalb noch einen guten Kilometer dem gut zu fahrenden Weg in Richtung Sennes Hütte und bog dann links ab in Richtung Rifugio Fodara. In etlichen Kehren schlängelt sich ein knapp 2 Meter breiter Wanderweg den Berg hoch. Der Weg ist zeitweise sehr steil aber gut fahrbar. Ich hatte wieder Richtig Power in den Beinen und nach wenigen Minuten stehe ich auf dem Hochplatteau vom Rifugio Fodara. Man hat von hier ebenfalls wieder traumhafte Ausblicke in die umliegenden Berggipfel. Es war inzwischen 15:55 Uhr. Da ich an diesem Tag noch mit dem Auto zurück in den Schwarzwald fahren wollte, legte ich keine Pause mehr ein sondern fuhr weiter in Richtung Pederü Hütte. Es ist ein extrem steiler Fahrweg welcher oben auf Schotter und unten auf Betonplatten nach unten führt. Das Gefälle liegt zum Teil bei 30%. Mit glühenden Bremsscheiben und verkrampften Unterarmen rolle ich vor die Pederü Hütte. Vermutlich ist mir auf diesem Stück auch meine Kamera aus
der Trikottasche gerutscht.

Das letzte Stück in Richtung St. Vigil fahre ich natürlich nicht auf der Strasse sondern auf dem schönen Trail neben der Strasse. Ich mag es immer wieder hier nach unten zu heizen. Die letzten Meter lege ich dann noch auf der Strasse zurück und nach 7 Stunden 45 Minuten  bzw. 6h36min Fahrzeit rolle ich glücklich vor dem Hotel auf den Parkplatz. Das war definitiv eine der schönsten Touren die ich je gefahren bin. Ihr solltet aber schon recht fit sein wenn ihr die Tour nachfahren wollt.