Tag 1: Von Martigny (CH) zum Rifugio Elena (F) 2508 Höhenmeter, 42 Kilometer

 

MontBlanc_Etappe1

14.08.2001

Heute Morgen bin ich vom Schwarzwald nach Martigny gefahren um die Umrundung des Mont Blanc in Angriff zu nehmen. Ich habe die Route grob auf einer Landkarte geplant, aber die Länge der einzelnen Etappen sowie die Etappenorte werde ich unterwegs spontan festlegen. Ich war doch etwas länger mit dem Auto unterwegs, so dass ich erst um 10.23 Uhr auf das Bike steigen konnte. Das Auto habe ich auf einer kostenlosen Parkfläche mitten in Martigny abgestellt. Die ersten 5 Kilometer waren erst einmal ziemlich öde zu fahren. Ich kurbelte leicht bergauf auf der Hauptstraße in Richtung "Großer St. Bernhard". Ein LKW nach dem anderen blies mir seine Abgase entgegen. So hatte ich mir
eine Umquerung des Mont Blanc Massives nicht vorgestellt. Aber glücklicherweise konnte ich in Les Valettes die Halbautobahn verlassen und den Anstieg in Richtung Champex in Angriff nehmen. Die 900 Höhenmeter kurbelt man auf einer wirklich wenig befahrenen Strasse, auf der so gut wie kein Verkehr herscht. Meine Laune steigt gleich merklich. Das einzigste, was mich bedenklich stimmt, sind meine Beine. Mir kommt es vor, als ob ich Pudding in den Beinen hätte. Bin wohl zu früh raus. ...mein Körper mag das irgendwie nicht ;-)
Ziemlich k.o. komme ich um kurz vor Eins in Champex an. Ich setzte mich in ein Restaurant am See um was zu essen. Frisch gestärkt setzte ich meine Fahrt fort. Da ich mich in Champex auf der Paßhöhe befinde, gehen die nächsten Kilometer erst einmal bergab. In einer Kehre am Ortsende verlasse ich die Strasse und biege rechts in einen schmalen Wanderweg ein. Dieser führt am Hang entlang talwerts in Richtung Issert.
Es ist ein schöner schmaler Trail, mit einigen technischen Passagen. So langsam fange ich an, an der Tour meinen Gefallen zu finden.

Nachdem ich auf dem Trail gut 400Hm vernichtet habe, gelange ich im Tal kurz unterhalb von Issert wieder auf die Fahrstraße, welche man in Richtung La Fouly folgt. Meine körperliche Verfassung ist heute echt bescheiden. Ich tue mich auf der leicht steigenden Straße super schwer. Na klasse, das kann ja noch was werden in den nächsten Tagen! Obwohl ich bestimmt schon eine Stunde hinter meinem Zeitplan bin, entscheide ich mich auf halber Strecke zwischen Issert und La Fouly eine Pause einzulegen. Ich lege mich auf der einer Wiese unter einen Baum um mich etwas auszuruhen. ...gut eine Stunde später wache ich wieder auf und bewerkte, dass ich tief und fest geschlafen hatte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es schon 16.30 war. Jetzt musst eich mich sputen, wenn ich die gut 1100 Höhenmeter zum Grand Col Ferret heute noch fahren wollte. Glücklicherweise lief es nach der Pause wie geschmiert. In La Fouly holte ich mir im Supermarkt noch etwas zu Essen und fuhr gleich weiter das Tal hinauf. Die Strasse wird nach La Fouly immer schmäler. Die Landschaft wird hier hinten im Tal immer schöner. Auf einer ganz schmalen Teerstraße folgt man noch etwa 150 Höhenmeter dem Tal. Dann geht es rechts ab über eine Brücke in Richtung Paß. Man sieht schon von der Straße, wie sich ein Schotterweg in Kehren den Hang hinauf schlängelt. Es ist inzwischen kurz vor 6 und die Wanderer, welche mir entgegenkommen schauen zum Teil etwas komisch, da ich um diese Uhrzeit noch den Anstieg zum Col Ferret in Angriff nehme. Inzwischen ist es kälter geworden und ich kurble mich Kehre für Kehre den Berg hinauf.

Tag1_ValFerret1

Auf 2150 Hm hört der Schotterweg an einer bewirtschafteten Alm auf. Es ist 18.30 und ich entschließe mich, die letzten 500 Hm noch in Angriff zu nehmen. Die nächsten Meter musste ich schieben. Aber später war ein Großteil wieder fahrbar. Es war super schön bei der schon schrägstehenden Sonne die Paßhöhe zu erklimmen.

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 Nach ein paar weiteren Schiebestücken erreiche ich um 19:13 Uhr happy den Gipfel. Auf der Gegenseite sieht man die Schneefelder und Gletscher am Mont Blanc. Ein grandioser Ausblick! Aber so langsam wird es Zeit ein Platz für die Nacht zu suchen. Ich habe das Rifugio Elena im Auge, welches knapp 500 Hm hinter der Paßhöhe liegt. Der Trail ist auf dieser Seite fast voll fahrbar. Da ich auf halber Strecke noch einen Plattfuß flicken musste, war ich dann um 19:46 kurz pünktlich zum Sonnenuntergang am Rifugion Elena.

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Mit etwas Glück habe ich noch das letzte freie Bett im Massenlager bekommen. Ein Biker, welcher eine halbe Stunde später eintraf, hatte weniger Glück und musste noch weiter in Richtung Courmayeur. Nach einem deftigen Abendessen in der urgemütlichen Hütte legte ich mich zufrieden in das Massenlager. Ausser mir waren bestimmt noch 20 Wanderer in diesem Raum. Aber ich konnte nachts trotz Geschnarche recht gut schlafen.

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